Wochengebet 24.04.-.01.05.2022 


 

Widerstände und Zweifel auf der einen Seite, Gewissheit und Glauben, Hoffnung und Freude, Aufbruch und Neubeginn bestimmen die Gedanken nach Ostern. 



Der Prophet Jesaja weist auf die sichtbaren Schöpfertaten Gottes hin. Gott gibt auch dem einzelnen Menschen Kraft und Stärke: Hebt eure Augen auf in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (aus Jesaja 40, 26-31) 



Das bewirkt die Auferstehung Christi von den Toten und verbindet sich mit uns. So heißt es in 1. Petrus 1,3: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 


Wochengebet 18.04.-24.04.2022 


HERR, du bist unsre Zuflucht für und für. 

Egal, ob in deinen Kirchen oder Kathedralen, die wir Dir zu Ehren aufgerichtet haben, in den Ruinen Deiner Häuser, die den Feuersturm der Zeiten nicht standhielten, aber und trotzig daran erinnern, dass Du selbst in den Feuerstürmen der Zeit und im Leid mitten unter uns bist. 

Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Es ist Dein Weinberg, in dem wir arbeiten. Es gab ihn schon vor unserer Zeit und wir werden ihn an Andere nach uns weitergeben. Du schaust auf uns, wie wir ihn bebauen und pflegen, wie wir in ihm die Ernte verteilen und wie wir dabei miteinander umgehen.

Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst, das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt.

Wir merken eines, egal ob Kaiser, König, Präsident oder Papst, Managerin oder Arbeiterin, Idol oder Wissenschaftlerin: wir sind nur kleine Räder im Laufe der Jahrtausende. Unsere Fußspuren verblassen- manche treten in sie hinein, aber wir kommen und gehen und Du allerdings bleibst und schaust auf deinen Weinberg.  

Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen, und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen. Denn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz. 

Und Du siehst, was wir denken, was wir sagen, wie wir handeln, uns irren, falsche Wege bestreiten wider aller Vernunft und entgegen dem, was wir wissen. Und dabei haben wir dein Wort und wir schieben es so oft gern beiseite. Und dann kamst Du als Christus zu uns und zeigtest uns einen neuen Weg- zu denken, zu sprechen und zu handeln, andere zu sehen.

Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Wer glaubt's aber, dass du so sehr zürnest, und wer fürchtet sich vor dir in deinem Grimm? Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. 

Wirklich viel Zeit, das zu begreifen, was du uns durch Jesus Christus, sein Leben mitten unter uns, seinen Weg an das Kreuz und sein Leiden für mich sagen willst, haben wir nicht. Es zu hören und zu begreifen, mich neu zu denken und zu verändern, Abstand zu nehmen von einem alten Ich, das mir vielleicht lieber gewesen ist, das alles kostet Zeit und Kraft und es gelingt mir nicht immer, manchmal gar nicht. Und doch siehst du gerade mich und fragst mich. Was hast Du einem meiner geringsten Brüder getan? 

 HERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig! Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden. Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern. Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns. Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!

Ja HERR, gib uns Kraft und Zuversicht so zu sein, wie du es uns durch Jesus Christus aufgetragen und vorgelebt hast: mutig und laut einzutreten für den geringsten deiner Schwestern und Brüder. Du bist für uns bis an das Kreuz gegangen, hast jeden Schmerz und jede Demütigung ausgehalten- für jeden auf dieser Welt. Ich habe es in der Karwoche wieder vor Augen. Menschliche Schwächen und Niedertracht, deinen guten Plan trotz des Bösen überall und Deine Kraft und Stärke, all das zu überwinden für das Leben. Gib mir auch etwas davon – damit ich helfen kann, dem Rad der scheinbar unausweichlichen Dinge in die Speichen zu greifen und im Getöse der Welt dem Glockenspiel deiner Liebe zu uns Gehör zu verschaffen.               Amen.


Wochengebet 11.04.-17.04.2022 


Ostergebet zur Zeitenwende 2022
Gott es herrscht Krieg in Europa!
Schrecken macht sich breit. Es ist ein Morden, Rauben, Zerstören und Mißtrauen.
Aber auch eine Solidarität, Mitgefühl und das Zusammenrücken von Staaten und
Menschen. Es tobt ein Kampf um eine neue Weltordnung.
Eine Zeitenwende! Ostern! Eine Zeitenwende!
Als man dich ans Kreuz geschlagen hat und als du den Tod daraufhin überwunden
hast, veränderte sich die Welt! Der Tod ist überwunden. Der Mensch mit Gott
versöhnt! Macht gilt nicht mehr wo Liebe lebt.
Wie ist denn Zeitenwende zu begreifen?
Verantwortliches Handeln ist nicht eindeutig zu bestimmen.
Wie man sich auch entscheidet; man wird auch schuldig.
Waffenlieferungen aus Solidarität. Kämpfen um Menschenleben zu schützen.
Und doch dabei auch anderen den Tod bringen.
Barmherziger Gott, du lenkst unsere Füße auf den Weg des Friedens,
auf keinen sonst!
Wir bitten für die vielen Menschen in der Ukraine, die in diesen Tagen ohne ihr Zutun
zu Opfern der Luftangriffe werden. Lass die Überlebenden in ihrem Elend nicht allein,
sei ihr Wegweiser, wenn sie imstande sind ihr Heil in der Flucht zu suchen,
und mache uns zu ihren Helferinnen und Helfern,
im Gebet und durch Bekundung unseres Bürgerwillens,
und in der praktischen Nächstenliebe.
Seit Ostern hat die Liebe die Macht überwunden.
Zeige uns Herr wie der Verzicht auf Macht den Frieden möglich werden lässt.
Dass eine Zeitenwende das Miteinander stärken möge und nicht zu größerer
Entfremdung führt. Der Weg scheint kompliziert und steinig.
Und doch: Unsere Hoffnung ist eine Weltordnung des friedlichen und kooperativen
Miteinanders. Helfe uns diesen Gedanken zu bewahren; gegen alle Gewalt und
Spaltung. Dass die Völker Europas, die Völker der Welt Wege finden, Frieden und
Verständigung als Prinzip des Zusammenlebens zu etablieren.
Zu Ostern hat die Liebe über die Macht gewonnen. Helfe uns diese Liebe immer
wieder neu wirksam sein zu lassen.
Amen
(Diakon, Jörg Awiszio) 


Wochengebet 03.04.-10.04.2022 


„Eine frohe Botschaft“

 

Liebe Gemeinde,

frohe Botschaften sind selten geworden. Vielleicht am ehesten noch diese: demnächst entfallen viele Beschränkungen der Corona-Pandemie. Der Wermutstropfen ist trotzdem dabei: die Zahlen sind hoch. Deshalb geht nicht jeder freudig in die Menge ohne einen Schutz. Die Nachrichten vom Krieg in der Ukraine werden täglich erschreckender, die anziehenden Preise in unserem Land auch. Das passt zu unserer Kirchenjahreszeit: Wir denken daran, wie Jesus leiden und sterben musste – wie heute so viele Menschen! 

Aber wer sagt uns etwas Gutes, etwas, worüber wir uns freuen können?

Der Monatsspruch für April nimmt schon Ostern in den Blick. Das Leid ist überwunden. Jesus ist auferstanden. Maria Magdalena hat ihn im Friedhofsgarten gesehen. Sie ist ihm begegnet. Deshalb wird sie nach der Zeit der Trauer wieder froh und kann ihre Freude nicht für sich behalten.

Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: „Ich habe den Herrn gesehen!“ Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

(Johannes 20,18 – Monatsspruch für April)

Eine frohe Botschaft. Endlich eine! Da bezeugt eine, dass Leid und Nöte, Schlimmes und Schreckliches überwunden werden können. Dass das Leben neu beginnt. Weil einer sogar den Schrecken des Todes besiegt hat. Maria von Magdala hat ihn, Jesus, den Auferstandenen, gesehen! Sie ist ihm begegnet, ihm, dem Sohn Gottes. Und diese Begegnung verändert alles. Die Trauer wird zur Freude, das Ende wird zum neuen Anfang. Für sie selbst! Und sie kann nicht anders: Sie muss es weitersagen – allen seinen Jüngern. Keine Schreckensnachricht mehr. Frohe Botschaft!
 Unser Wunsch zu Ostern – in 2 Wochen ist es soweit - : Freude über das neue Leben von Gott! Und Hoffnung , dass Gott uns allen neues Leben jenseits von Krankheit und Krieg ermöglichen wird! Nicht verzagen! Auf die frohe Botschaft warten! Auf Ostern!                                       Herzlichst, Ihre Pfarrerin Andrea Rylke-Voigt 


Wochengebet 27.03.-02.04.2022 

Der Sonntag Laetare sagt:                                                                                    Wir sind mitten in der Passionszeit,                                                                      in der wir das Leiden und Sterben Jesu bedenken.                                          Wir sehen auch das Leid der Menschen, die alles im Krieg verlieren,          in der Ukraine und anderswo                                                                            Jetzt blicken wir aber auch schon über Karfreitag hinaus.                              Wir hoffen auf Frieden und Gerechtigkeit für alle in der Not.                      

An die Seite des Schmerzes angesichts des Kreuzes tritt der Trost,            dass das Leben nicht vergeht.                                                                        Unser Blick auf das Kreuz lebt immer schon von der Erfahrung des Osterfestes.

 

So heißt es im Wochenspruch aus Johannes 12,24:                                          „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;    wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

 

Bei Jürgen Henkys heißt es  im folgenden Lied:

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt.                                                     Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.                                        Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:                                                  Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt des Stab,                                                  wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.                                                      Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?                                                          Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.                                                      

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,                                                        unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn --                                              hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:                                                  Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.


Wochengebet 20.03.-26.03.2022 

Gebet für Frieden und Versöhnung

Voller Siegesgewissheit und Selbstgerechtigkeit, 
 in blindem Vertrauen auf die Parolen der Führer 
 beginnen Menschen ihre Kriege.
 
 Verzweifelt und ohne Hoffnung suchen wir nach Frieden, 
 wenn Sinn- und Ausweglosigkeit des Krieges 
 vor aller Augen offenbar ist, 
 wenn keiner wirklich gewinnen kann, 
 wenn Waffenstillstand verkündet wird in 
 Trümmerfeldern und Flüchtlingslagern.
 
 Wir beten um mehr als Waffenstillstand, 
 um die Kraft, den Frieden zu entwickeln und zu bewahren:
 in Bosnien, in Nordirland, der Ukraine, dem Yemen, in Syrien, in Afgahnistan, im Kongo, in Kolumbien, in Myanmar und überall wo bewaffnete Konflikte schweres Leid hervorrufen.
 
 Die heilende Kraft Deines Friedens helfe den Überlebenden, 
 sich aus der Erstarrung der Geister und der Seelen zu lösen, 
 um die Toten zu trauern und eigene Schuld anzuerkennen. 
 Nur Du kannst das Wunder wirken, 
 dass Todfeinde oder doch deren Kinder 
 sich eines Tages wieder begegnen von Mensch zu Mensch.
 
 Um Deine Leitung beten wir für die Gemeinde Jesu 
 in den Ländern zwischen Krieg und Frieden. 
 Deine Vergebung erwecke sie zu neuem Leben, 
 wo sie kein Werkzeug Deines Friedens war, 
 damit Jesu Botschaft von Gerechtigkeit und Versöhnung 
 die Völker begleite auf ihrem schweren Weg.

Damit Frieden werde!

Amen

( In Anlehnung an ein Gebet von Harald Rohr zum Gedenken an das Kriegsende 1945 )


Wochengebet 13.03.-19.03.2022 

 Gott unser Vater 

du bist ein Gott des Friedens und der Versöhnung, 

der das Leben für alle Menschen will. 

Wir bitten dich in diesen Tagen: 

 

Für alle Menschen, die in den Kriegen der Vergangenheit und in der Gegenwart 

ihr Leben, ihre Gesundheit, ihre Heimat, 

ihre Eltern, Kinder, Partner, Geschwister, Freunde 

verloren haben: 

Nimm du die Toten zu dir und heile die tiefen Verletzungen der Überlebenden. 

 

Erhöre du unsere Worte der Verzweiflung und der Hilflosigkeit, 

hilf uns aus unserer Sprachlosigkeit und gib uns Mut und Kraft, uns der Gewalt und der 

Menschenverachtung entgegenzustellen. 

 

Für alle Menschen, die unter den Kriegen der Gegenwart wie in der Ukraine, in Syrien, dem Jemen und überall auf der Welt leiden, 

die unter Verfolgung und Unterdrückung leiden: 

Sei du ihnen nahe in all ihrer Verzweiflung und Angst und sende ihnen Menschen an ihre Seite, 

die sie nicht im Stich lassen. 

Die nicht nur reden sondern auch handeln. 

Die keine Angst um sich selbst haben, sondern den Mut Unrecht entgegenzutreten. 

 

Und für uns und alle, die wir im Frieden leben dürfen: 

Erinnere uns daran, dass es nicht immer so gewesen ist, auch hier bei uns. 

Gib uns ein offenes Herz und vor allem den Mut, 

auf allen denkbaren Wegen die Gewalt zu beenden und immer wieder für den Frieden zu arbeiten. 

 

Für alle, die Hass und Vorbehalte befeuern und für sich zu nutzen versuchen, 

bitten wir, dass du ihnen Einsicht, Geist und Verstand schenkst, 

damit auch diese den Wert des Lebens, den Wert der Anderen und nicht nur sich schätzen, 

aber sich vor allem dem Frieden und der Gewaltlosigkeit zuwenden. 

 

Gott, mit unserer Sehnsucht nach Frieden, 

aber auch mit all unseren Schwächen, 

diesen Frieden auch zu bewahren durch kluges Miteinander 

stehen wir vor dir. 

Mit leeren Händen wie so oft. 

Schenke uns Erneuerung im Kopf und im Herzen. 

Amen 


Wochengebet 06.03.-13.03.2022 

 „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt“


Liebe Gemeinde,

der 91. Psalm, er ist der Psalm für diese Woche, ist einer meiner Lieblingspsalmen. Man könnte ihn überschreiben: Geborgenheit im Leben, Geborgenheit in Gott. Wie viele Eltern wählen als Taufspruch für ihr Kind „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen…“ (V.11) Sie tun es durchaus in dem Gefühl, dass das Leben, auch das ihres Kindes, ein bedrohtes ist, aber sie setzen ihre Hoffnung darauf, dass Gottes Engel ihre Kinder behüten und tragen werden in Nöten. 

„Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu Gott: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ (V. 1+2) Unter einem Schirm sitzen, wenn es regnet und Schlimmes auf uns einprasselt, und da ist ein guter Gott, einer, der mächtiger ist als alle Mächtigen auf dieser Welt über uns – das ist ein so tröstlicher, hoffnungsvoller Gedanke. Und dabei lebt der Beter des Psalms nicht in einer heilen Welt und beschwört sie herauf. Gerade die Israeliten haben immer wieder erlebt, wie ihr Land überfallen wurde, wie sie ein Spielball der Mächtigen wurden! So viel Leid, das über die Menschen dieses Volkes gekommen ist, auch schon zur Zeit des Psalmbeters! Aber gerade dann, wenn es ganz schlimm aussieht und um uns herum ist, brauchen wir Halt und Gewissheit: alle Putins dieser Welt, so mächtig sie wirken, sind doch nur ein Winzling gegenüber der Macht Gottes, die über uns waltet, auch wenn wir es nicht immer wahrnehmen können. Gott hat die Macht, und bei ihm sind Werte wie Frieden, Gerechtigkeit, Güte und Wahrheit wichtig. Und sein Frieden, seine Wahrheit wird sich durchsetzen auf der ganzen Erde.

Um uns das zu sagen, diese Hoffnung einzupflanzen, ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, zu uns auf unsere so friedlose Erde gekommen. Um Tod und Teufel zu besiegen und zerstörerischen Mächten nicht das letzte Wort zu überlassen! 

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Joh. 3, 8b Wochenspruch)

Angesichts des furchtbaren Krieges gegen die Ukraine und der Bedrohung des Weltfriedens hoffen wir auf Gottes Macht und sein Beschirmen und beten:

Herr, schenke Frieden! Gib uns deinen Frieden! Amen.

(Pfarrerin Andrea Rylke-Voigt)


Wochengebet 27.02.-05.03.2022 

 

Gegensätzlicher kann diese Woche im Kalender- und Kirchenjahr nicht sein:
Zunächst Karneval:                                                                                              Feiern und Frohsinn, Ausgelassen sein und Leichtigkeit,                                Masken und Kostüme, Schminke und bunte Farben,                                        Gesellschaft und Geselligkeit, Freude und Lachen.
Und dann Aschermittwoch:
Klingt auf den ersten Blick trist und grau.                                                          Ein ernster Tag, der all die Verstrickungen von Schuld und Unrecht beim Menschen total ernst nimmt.                                                                              Ein Tag, der deutlich macht, wie sehr wir auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit angewiesen sind.                                                                          Ein Tag, der deutlich macht, dass Gott sein Ja zu uns spricht                        und  unser Nein stirbt.
So heißt es in dem Lied „Suchen und Fragen“ von Diethardt Zils und  Michel Scouarnec:  (WortLaute 86,2)
Klagende hören, Trauernde sehn,                                                                    aneinander glauben und sich verstehn,                                                               auf unsre Armut lässt Gott sich ein.                                                                    So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.                                                                     
Und jetzt der Krieg in der Ukraine:
Mit Entsetzenhören wir von dem Einmarsch russischer Truppen,                von der Bombardierung ukrainischer Städte.                                                    Tote, Verletzte, Flüchtlingsströme, Angst und Panik, Waffengewalt statt Worte,  Entsetzen und Fassungslosigkeit in ganz Europa und in der Welt.
Wir bitten mit Worten von Martin Luther:                                                        Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr, Gott, zu unsern Zeiten.                        Es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.    (EG 421)


Wochengebet 20.02.-26.02.2022 

Liebe Gemeinde,

ich lese gerade in der Zeitung von griechischen Grenzern, die Flüchtlinge zurück ins Meer geschickt haben. Wieviel Angst doch eine sich verändernde Welt auslöst. Angst die in Hass und Gewalt umzuschlagen droht. Angesichts des Erstarkens von fremdenfeindlichen Haltungen, des Aufkommens einer rechtsgerichteten und spaltenden Spaziergängerkultur im öffentlichen Raum, habe ich deshalb für dieses Wochengebet eine Fürbitte von Pfarrer Harald Rohr aus dem Jahre 2015 ausgewählt. 

 

Guter Gott, zusammen mit dem täglichen Brot
 schenkst du unserer Gemeinschaft das Recht.

Wir danken dir für das Recht,
 das unsere Gemeinschaft tragen soll,
 auch angesichts großer Konflikte,
 wie die Masse der Flüchtlinge sie weckt.

Deshalb bitten wir für uns alle,
 aber zuerst für uns selbst:

wecke in uns Wertschätzung und Verantwortungsbewusstsein
 für die Rechtsordnung
 die auch unsere Konflikte erträgt,
 und die Menschenwürde der Fremden achtet,

damit wir fähig sind,
 die Geister zu erkennen und zu scheiden,

wenn Protest sich verwandelt in Gewalt,
 die das Recht verachtet,

Gewalt, die Schutzsuchende und Einheimische,
 ob ehrenamtlich engagiert, ob politisch verantwortlich
 oder tätig im Öffentlichen Dienst,

gleichermaßen bedroht bei Leib und Leben.

Halte unsere Vernunft und unser Gewissen wach,
 damit wir uns zu Herrschaft
 und Segen unserer Rechtsordnung bekennen,

gegen alle, die ihren Hass
 an ihre Stelle setzen wollen.


Wochengebet 06.02.-13.02.2022 

 „Hab keine Angst, ich bin da“

Liebe Gemeinde,

ein Hafen, in dem Boote liegen, Schiffe auf dem Meer – sie sind Anziehungspunkt und ein wunderbarer Anblick. Wie sie so über das Wasser gleiten, wie man auf dem Wasser von einem zum anderen Ufer übersetzen kann und sich viele Umwege erspart! Ja, auch eine Fahrt auf der Ruhr ist ein schönes Erlebnis. 

Wer viel mit dem Boot unterwegs ist oder verreist, weiß: es gibt nicht nur die ruhigen, die sonnigen Tage. Gerade das Meer kann auch ganz anders sein: Sturm und meterhohe Wellen sind bedrohlich. So haben es die Jünger erlebt. Sie sind mit Jesus im Boot, und er schläft. Mit einem Mal kommt ein Sturm auf, die Wellen schlagen ins Boot, und die Jünger wecken in ihrer Angst Jesus auf. Durch sein Wort wird das Meer wieder ruhig, und die Bedrohung ist vorbei.

Jesus fragt seine Jünger:

„Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“

Eine Frage, die er auch uns stellt. Furchtsam… der Anfang dieses Jahres 2022 ist wieder von einer neuen Coronawelle bestimmt mit all ihren Auswirkungen in immer neuen Verordnungen und Überlegungen. Wo führt das noch hin? so mögen wir uns ängstlich fragen. Wie steht es eigentlich um unser Land, das so gespalten wirkt, in dem Politikerinnen und Politiker an Leib und Leben bedroht werden und Fackelzüge stattfinden vor ihren Wohnungen, in dem Judenhaß wieder salonfähig zu werden scheint. Wo sind die, die gegensteuern? Und wie geht das weiter mit unserer Erde, die direkt in die Klimakatastrophe steuert – und wir wissen noch nicht, wie wir das Ruder herumreißen sollen. Da kann man schon furchtsam werden. 

Aber auch wenn wir es gar nicht merken: Jesus ist mit uns im Boot. Vielleicht im Moment noch schlafend. Aber er ist da. Und er kann jederzeit alles Bedrohliche beenden und die Stürme auch in unserem Leben zum Schweigen bringen. Deshalb: Keine Angst! Er ist ja da! Was immer noch in diesem Jahr auf uns zukommen mag: wir können zuversichtlich und mutig sein, weil er da ist. Alles kommt darauf an, ob wir das glauben können, ob wir ihm ganz vertrauen und und ihm alles zutrauen! – Dann gelingt die Bootsfahrt unseres Lebens an sonnigen wie an stürmischen Tagen. 

Diese Zusage hören wir auch im Lied für diese Woche: Stimme, die Stein zerbricht, kommt mir im Finstern nah, jemand, der leise spricht: Hab keine Angst, ich bin da. (Pfarrerin Andrea Rylke-Voigt)


Wochengebet 30.01.-05.02.2022 

 

Gott schenkt uns lichte, aber auch dunkle Zeiten.                                      Die Zeiten der Lebensfreude, in denen uns Gottes Liebe                         zum Greifen nahe erscheint, mögen uns Mut machen,                              auch im trüben Alltag die Zeichen der Nähe Gottes wahrzunehmen.
 
Das Evangelium von der Verklärung Jesu schließt die Epiphaniaszeit ab:   Jesus erscheint in himmlisches Licht getaucht und von einer göttlichen Wolke umhüllt. Wir erinnern uns an die Taufe Jesu und die Worte:            Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.                              Wir erinnern uns an Mose, wie er die Erscheinung Gottes                            im Dornbusch erlebt und von Gott beauftragt wird.
Gott schenkt uns Vorboten für die noch ausstehende Herrlichkeit.            Aber Gott schenkt uns eine wunderbare Perspektive mit dem Hinweis auf die Auferstehung.
Dann können wir gestärkt in die Passions- und Leidenszeit Jesu                  mit hineingehen.
 
So heißt es im Gesangbuchlied  (EG 450):
Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte,                  schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte                          und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.
Ach du Aufgang aus der Höh‘, gib, dass auch am Jüngsten Tage            unser Leib verklärt ersteh und, entfernt von aller Plage,                          sich auf jener Freudenbahn freuen kann.
Leucht uns selbst in jener Welt, du verklärte Gnadensonne;                  führ uns durch das Tränenfeld in das Land der süßen Wonne,                da die Lust, die uns erhöht, nie vergeht. 


Wochengebet 23.01.-29.01.2022 

Die Liebe ist die Energie des Glaubens! 

Liebe Gemeinde, in den letzten Wochen ist mir immer wieder ein Abschnitt des ersten Korintherbriefes begegnet in dem Paulus den Inhalt unseres Glaubens auf drei Worte komprimiert zusammenfasst. Glaube, Hoffnung und Liebe. Dieser Text kann meditiert, diskutiert und gebetet werden. Er soll sie in dieser Woche begleiten. 
 Diakon Jörg Awiszio 

 

Das Hohe Lied der Liebe 

1-Korinther 13 1-25 (Neue  Genfer Übersetzung)
 Wenn ich in Sprachen rede, die von Gott eingegeben sind – in irdischen Sprachen und sogar in der Sprache der Engel –, aber keine Liebe habe, bin ich nichts weiter als ein dröhnender Gong oder eine lärmende Pauke.  Wenn ich prophetische Eingebungen habe, wenn mir alle Geheimnisse enthüllt sind und ich alle Erkenntnis besitze, wenn mir der Glaube im höchsten nur denkbaren Maß gegeben ist, sodass ich Berge versetzen kann – wenn ich alle diese Gaben besitze, aber keine Liebe habe, bin ich nichts.  Wenn ich meinen ganzen Besitz an die Armen verteile, wenn ich sogar bereit bin, mein Leben zu opfern und mich bei lebendigem Leib verbrennen zu lassen, aber keine Liebe habe, nützt es mir nichts.  Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet.  Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach.  Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit.  Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand. Die Liebe vergeht niemals. Prophetische Eingebungen werden aufhören; das Reden in Sprachen, die von Gott eingegeben sind, wird verstummen; die Gabe der Erkenntnis wird es einmal nicht mehr geben. Denn was wir erkennen, ist immer nur ein Teil des Ganzen, und die prophetischen Eingebungen, die wir haben, enthüllen ebenfalls nur einen Teil des Ganzen. Eines Tages aber wird das sichtbar werden, was vollkommen ist. Dann wird alles Unvollkommene ein Ende haben. Als ich noch ein Kind war, redete ich, wie Kinder reden, dachte, wie Kinder denken, und urteilte, wie Kinder urteilen. Doch als Erwachsener habe ich abgelegt, was kindlich ist. Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel und wie in rätselhaften Bildern; dann aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Wenn ich jetzt etwas erkenne, erkenne ich immer nur einen Teil des Ganzen; dann aber werde ich alles so kennen, wie Gott mich jetzt schon kennt.  Was für immer bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Aber am größten von ihnen ist die Liebe. 


Wochengebet 16.01.-23.01.2022 

  Ein neues Jahr, 

und wir sehnen uns nach Zeichen und Wundern. 

Wir wissen, 

du bist da, 

aber wir warten auf dein Eingreifen, 

wir warten, 

dass wir etwas sehen, vernehmen, verspüren, 

von der Kraft deiner Wunder. 

Wir fühlen uns selbst als Macht-los, Hilf-los und Rat-los. 

Daher warten wir auf Dich, 

dass du deine Zeichen und Wunder bei den Schwachen in ihrer Not, 

bei den Erniedrigten und Gedemütigten, 

bei den Erkrankten und den Ermatteten, 

bei den Verlorenen und Herumirrenden, 

bei den Verzweifelten und Suchenden 

und bei den Sicheren und Entscheidern, 

ob in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik oder Kirche 

immer wieder neu in und auf diese Welt wirfst. 

Aber wir bitten dich auch für das vielleicht größte Wunder, 

dass du zu wirken vermagst. 

Das Wunder, dass du bei uns selbst wirkst, 

dass wir jede und jeder deine Liebe und Gnade in unserem Leben verspüren, 

indem du uns durch sie frei machst von Zwängen und Beschränkungen 

und uns aus dieser Freiheit heraus aufstehen lässt, 

reden lässt, 

handeln lässt, 

etwas schaffen lässt, 

dass diese Welt ein besserer Ort für alle Menschen werden kann. 

Wir sehnen uns nach Zeichen und Wundern von dir. 

In diesem ganzen neuen Jahr, 

indem du uns zusagst, dass wenn wir bei dir anklopfen werden, 

du uns nicht abweisen wirst. 

Amen 


Wochengebet 09.01.-16.01.2022 

 „Die Finsternis vergeht“ 

 

Liebe Gemeinde, 

wie schnell sind die Weihnachtstage voll des Lichtes vorbei, ein paar ruhige Tage danach gehen jetzt zu Ende, und die meisten Weihnachtslichter sind abgebaut. Der Alltag hat uns wieder. 

Schade eigentlich. Denn am 6. Januar leuchtet der Stern für die Heiligen drei Könige und führt sie zum Kind in der Krippe, zum Licht der Welt. Und den ganzen Januar hindurch bedenken wir, was das nun heißt, auch für uns, dass Gott in Jesus als Licht in unsere Welt und in unser Leben gekommen ist. 

Epiphanias heißt diese Zeit – „Erscheinung“ – Gottes Licht ist da, Jesus ist da – und mit seinem Licht will er unser Leben beleuchten, alles Dunkle vertreiben und uns Hoffnung und Zuversicht geben. 

 

Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint schon. (1. Joh. 2,8b) 

Das ist das Motto des Epiphaniastages. Es will aufgehen und leuchten gleich am Anfang dieses neuen Jahres 2022 und wie ein Stern in unserem Herzen bleiben. Es mag immer noch viel Finsternis sein. Und wieder wissen wir nicht, welche Einschränkungen dieses Jahr noch bringen wird, wieviel Leid und Dunkles noch geschieht. Aber Gottes Licht scheint – er ist gekommen und vertreibt alles Dunkle, bleibt Orientierungspunkt und Hoffnungslicht. 

So wie der Stern oben am Tor eines Bauernhofes leuchtet – es ist mir durch die Advents-, Weihnachts- und Epiphaniaszeit ein schönes Bild: ein ganzes Stück weg ist dieser Bauernhof, Wiesen und Felder rundherum. Er selbst ist im Dunklen kaum zu erkennen. Aber der Stern an dem Haus leuchtet, ein strahlender Punkt am Ende der Straße. Auf ihn kann man zulaufen. Er beleuchtet den Weg, gibt Orientierung und die feste Zuversicht: Es mag noch so dunkel sein, die Dunkelheit hat keine Chance gegenüber dem Licht des Sterns, der ja da ist und bleibt. 

So ist der Stern, der an Weihnachten aufgegangen ist: Das Licht Gottes. Es bleibt. Gottes Liebe, seine Kraft, sein Leben sind für uns da. 
(Pfarrerin Andrea Rylke-Voigt) 


Wochengebet 02.01.-08.01.2022 

Epiphanias,  das Fest, das in Ägypten seinen Ursprung hatte.              Epiphanias, Fest der Erscheinung Gottes in Jesus Christus.                          Epiphanias, Fest der drei Könige oder Sterndeuter aus aller Welt, die das Jesuskind beschenken und sich von König Herodes                                nicht haben instrumentalisieren lassen.                                                              Epiphanias,  Fest der drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar,              die „Christus segne dieses Haus“,  also C M B schreiben.                               Epiphanias, welchem Leitstern folgen wir?

 

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,                                                    führ uns zur Krippe hin, zeig, wo sie steht,                                                  leuchte du uns voran, bis wir dort sind,                                                        Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.

Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn                                                und läßt uns alle das Wunder hier sehn,                                                        das da geschehen, was niemand gedacht,                                                    Stern über Bethlehem, in dieser Nacht. 

Stern über Bethlehem, wir sind am Ziel,                                                        denn dieser arme Stall birgt doch so viel.                                                    Du hast uns hergeführt, wir danken dir.                                                        Stern über Bethlehem, wir bleiben hier!                                                                          

Stern über Bethlehem, kehrn wir zurück,                                                      steht noch dein heller Schein in unserm Blick,                                            und was uns froh gemacht, teilen wir aus,                                                    Stern über Bethlehem, schein auch zu Haus!     (EG 544) 

 

Gott, wir bitten dich für uns und deine Kirche im neuen Jahr:                      Lass uns offen und warmherzig auf alle Menschen zugehen.                        Lass uns dein Licht ausbreiten und für Versöhnung und Frieden eintreten.  Amen. 


Wochengebet 26.12.-02.01.2022 

 „Ihr Schall gehet aus in jedes Land“ 

 

In der Weihnachtszeit singen wir so manche Glockenlieder: „Süßer die Glocken nie klingen“, „Kling, Glöckchen, klingelingeling“, „Jingle Bells“. Wir hängen kleine Exemplare in den Tannenbaum. Ein Glöckchen läutet am Heiligen Abend in den Wohnungen geheimnisvoll, und die Kinder wissen: Jetzt ist das Christkind da gewesen. Wir können die Tür öffnen und den Weihnachtsbaum mit seinen vielen Lichtern bestaunen und Bescherung haben. 

Einer meiner tiefsten Kindheitserinnerungen ist, mit meinen Eltern am Heiligen Abend in die Kirche zu gehen, und wenn der Gottesdienst endete, traten wir hinaus in die Dunkelheit, und die Glocken läuteten, wie immer, wenn ein Gottesdienst zu Ende ist, und doch nicht wie immer: Zu dieser Stunde läuten die Glocken den Heiligen Abend ein, und sie klingen viel feierlicher als sonst und gehen zu Herzen. Und ob man den Gottesdienst besucht hat oder nicht: Jeder und jede hört die Botschaft der Glocken, ohne Worte: Christus ist geboren! 

Der 19. Psalm sagt, dass es nicht immer Worte braucht, um Gott die Ehre zu geben. Himmel und die ganze Schöpfung erzählen davon, wenn wir das nur verstehen wollen: Ihr Schall gehet aus in jedes Land, ohne Sprache und ohne Worte. (Psalm 19,5) 

Auch die Glocken brauchen keine Worte. Wie auch immer Sie Weihnachten verbringen werden: Wenn Sie die Glocken unserer Kirchen hören, auch in Ihren Wohnungen, kommt die Botschaft der Weihnacht zu Ihnen: Gott ist Mensch geworden auch für dich – freu dich! Christus ist geboren! Die Glocken läuten auch bei Ihnen die Weihnacht ein! 

Und wenn das alte Jahr mit seinen vielen schweren Seiten zu Ende geht und das neue nicht mit Feuerwerk eingeleitet werden kann: Die Glocken am Abend 2021 und am Neujahrsmorgen 2022 künden davon: Gottes Gnade war da für uns im alten Jahr und wird auch im neuen Jahr uns begleiten, Tag für Tag. 

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes, von Gott begleitetes neues Jahr 2022 wünscht Ihnen                                                
Ihre Pastorin Andrea Rylke-Voigt 


Wochengebet 18.12.-25.12.2021 

 Jedes Mal… 

 

Jedes Mal, wenn zwei Menschen einander verzeihen 

Ist Weihnachten. 

Jedes Mal, wenn Du Verständnis für die Sichtweise eines Kindes hast, 

ist Weihnachten. 

Jedes Mal, wenn Du einem Menschen in seiner Not hilfst, 

ist Weihnachten. 

Jedes Mal, wenn ein Mensch seine Fehler bereut, 

ist Weihnachten. 

Jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt ein Kind geboren wird, 

ist Weihnachten. 

Jedes Mal, wenn zwei sich mit den Augen des Herzens ansehen, 

ist Weihnachten. 

Jedes Mal, wenn Du versuchst, Deinem Leben einen neuen Sinn zu geben, 

ist Weihnachten. 

Jedes Mal, wenn Du einen Menschen warm anlächelst, 

ist Weihnachten. 

Denn zu Weihnachten ist die Liebe geboren. 

Mit ihr zusammen ist der Frieden geboren. 

Mit ihr zusammen ist die Gerechtigkeit geboren. 

Mit ihr zusammen ist die Hoffnung geboren. 

Damit kommt die Freude in unsere Welt. 

Für mich, für Dich und für alle Menschen, die das spüren. 

Denn für uns geboren ist Christus der Herr. 

Zum Segen für uns und für die Welt.      Amen. 


Wochengebet 11.12.-18.12.2021 

Am dritten Advent denken wir an Johannes den Täufer,                          der in besonderer Weise auf Jesus hingewiesen hat,                                der Jesu Weg unnachahmlich vorbereitet hat.

 

Aber schon im Alten Testament ruft der Prophet Jesaja:

„Tröstet, tröstet mein Volk, die Traurigen nehmt in die Arme,                                                                                                                                               denn alle Knechtschaft hat ein Ende,                                                             alle Schuld ist vergeben,  alle Sünde ins Meer geworfen.                                                                                                                                                          Es ruft eine Stimme durch die wüsten Zeiten:                                            Bereitet unserem Gott einen Weg,                                                              baut eine Bahn durch die Steppen.                                                                Die Lebenstiefen sollen überbrückt, die Berge und Hügel,                      die Hindernisse und Schwierigkeiten sollen überwunden werden;      denn unser Gott kommt unaufhaltsam.

Mit wem sollt ihr Gott vergleichen?                                                                 Wisst ihr’s denn nicht?   Hört ihr denn nicht?                                              Ist es euch nicht von Anfang an verkündigt?                                                Was habt ihr gelernt seit Erschaffung der Erde?                                          Macht eure Augen auf und seht:  Wer hat dies alles geschaffen?          Warum sprichst du:  Mein Leben ist Gott verborgen,  und  meine          Sehnsucht nach Recht und Gerechtigkeit geht an meinem Gott vorüber? Weißt du nichts?  Hast du nichts gehört?

Gott,….. wird nicht müde und matt, mit seinen unerforschlichen    Gedanken uns Menschen zu beschützen.                                                      Er gibt den Müden Kraft und stärkt die schwachen Seelen.                    Und die sich so auf Gott verlassen, erfahren neue Kraft.                          Sie bekommen den Schwung, als hätten sie die Flügel eines Adlers.    Sie laufen und geben nicht auf, sie gehen durch’s Leben  -- und werden nicht  müde.“

(Uwe Seidel in: Ich stehe unter Gottes Schutz. Psalmen für Alltetage)


Wochengebet 03.12.-10.12.2021 

  

Advent, die Ankunft des Herrn, beinhaltet seit der Geburt Christi die Gewissheit, dass Gott an unserem Schicksal interessiert ist. Gott wird Mensch und solidarisiert sich mit unserem Leben, unseren Sorgen, Nöten und Freuden. So wie Gott sich mit uns solidarisiert, sollen auch wir miteinander leben und uns solidarisieren. „Liebe deinen Nächten wie dich selbst“, hat Jesus uns geboten. So ist die Hoffnung im Advent auch getragen von der Verantwortung der Menschen für die Welt. 

Lassen Sie uns als Hoffnung in diesem Advent gemeinsam in ein Gebet von Jörg Zink einstimmen. 

 

Du Schöpfer dieser Welt.
 Wir leben von deiner Güte und Weisheit.
 Die Welt gehört nicht uns, sie gehört dir.
 Unsere Wissenschaft geht deinen Gedanken nach.
 Unsere Technik verlässt sich auf deine Gesetze.
 Unsere Wirtschaft lebt von deinen Gütern.
 Unsere Politik ist dir verantwortlich.
 Wir danken dir für Geist und Kraft der Menschen,
 denn Geist und Kraft sind von dir.
 Du hast uns den Frieden anvertraut,
 die Freude und das Glück aller Menschen.
 Wir bitten dich für jeden Menschen auf dieser Erde,
 dessen Frieden und Glück in Gefahr sind.
 Wir bitten dich, bewahre uns den Frieden
 und bewahre uns davor,
 den Frieden anderer zu gefährden:
 den Frieden unserer Familien, Freunde und Nachbarn
 und aller, denen wir begegnen.
 Gott, uns Menschen ist viel Macht gegeben.
 Was deine Weisheit geschaffen hat,
 ist uns unweisen Menschen anvertraut.
 Was du gegeben hast, damit wir leben können,
 ist Gefahr geworden für unser aller Leben.
 Wir möchten dir danken für deine Welt.
 Wir möchten einander schützen vor Gewalt und Hass.
 Wir möchten deine Gaben behüten:
 die Menschen, ihr Glück und das Leben alles Lebendigen.
 Wir bitten dich, Schöpfer dieser Welt,
 hilf uns und gib Gelingen.                       
 Jörg Zink



Wochengebet 28.11.-05.12.2021 

 „Ankündigung“ 

 

An einem der Tage, die kommen, 

wird etwas geschehen, das du nicht kennst, 

noch nicht, 

und auch nicht verstehst, 

etwas, von dem du nur träumst, 

was du erwartest, 

so wie ein Wunder. 

Es wird etwas sein, auf das du nicht wartest, 

nein, das du suchst, 

und weißt auch nicht zu sagen, wonach, 

und du suchst es auch nicht, sondern findest, 

und nicht einmal das, es findet ja dich, 

dieses Lächeln, von dem du gefunden wirst, 

an einem der Tage, die kommen. 

  (Lothar Zenetti) 

 

Liebe Gemeinde, der Advent ist da, eine Zeit der Freude und der Erwartung. Bestimmt freuen Sie sich auf Glühwein und Weihnachtsmarkt, auf beleuchtete Straßen und Lichter vor den Häusern, Tee und Gebäck, Besuche und Freunde, die Erwartung eines Miteinanders und gemütlichen Beisammenseins. Dahin geht unsere Sehnsucht. Und all das ist letztlich nur ein Vorschein auf das, was wir erwarten: Weihnachten: noch mehr Lichter, noch mehr Zusammenrücken, Familie, Freude….Und eigentlich gehen unsere Erwartungen noch weiter. Lothar Zenetti beschreibt das so gut: wir können gar nicht richtig ausdrücken, worauf wir wirklich warten. In Worten lässt sich das gar nicht sagen. So ein Stück weit: Heil und Heilung, Vollkommenheit,  Reich Gottes in unserer so unheilen Welt…?! 

Der Advent ist Zeit der Erwartung, letztlich eine Suche nach Gott. Aber der Adventsweg geht auch in die umgekehrte Richtung: Gott sucht uns, sucht uns auf an Weihnachten, er findet uns und lächelt uns zu: „dieses Lächeln, von dem du gefunden wirst, an einem der Tage, die kommen“. 

Wieder ist alles unsicher, was wird. Gott sei es geklagt. Aber sicher ist eins: Wir werden gefunden. Und Gott lächelt uns zu. 

Lieber Gott, komm zu uns, finde uns und lächle uns zu. 

(Pfarrerin Andrea Rylke-Voigt) 


Wochengebet 20.11.-27.11.2021 

Wenn ich an die denke, die bereits von mir gegangen sind,⠀

kommen mir Gedanken, die mich beunruhigen und zweifeln lassen.⠀

Habe ich ihr eigentlich jemals gesagt, wie sehr ich sie liebe?⠀

Und habe ich ihm gedankt dafür, was er mir ermöglicht hat?⠀

Habe ich ihr versichert, dass der gemeinsame Lebensweg miteinander, so wie er war, der richtige gewesen ist?⠀

Habe ich ihm immer ehrlich gesagt, was ich von seinen Meinungen und Entscheidungen halte?⠀

Die Werte und Maßstäbe, die Aufforderung dieses zu tun und jenes zu lassen, jemals ehrlich hinterfragt und ausgesprochen?⠀

Ich denke an die vielen kleinen Versäumnisse, den nicht erwiderten Kuss oder den abgesagten Besuch, das falsche Lächeln hier und da und der Gedanke der Erleichterung, wenn ich wieder wegfahren konnte. ⠀

Wir haben uns oft gestritten, aber haben wir uns auch immer wieder schnell genug vertragen und dabei auch noch wirklich ausgesprochen?⠀

Und habe ich immer vor Augen gehabt, was sie braucht und er so nötig hatte, vor allem zuletzt, als es immer schwerer wurde?⠀

Hatte ich dabei mehr mich vor Augen oder sah ich klar genug auf sie?⠀

Diese Fragen machen mich unruhig und unsicher.⠀

Ich dachte, es wäre alles geklärt und gesagt – aber weiß ich das wirklich?⠀

Wenn ich jetzt könnte, würde ich noch einmal dieses sagen oder jenes tun – und ganz bestimmt vieles lassen, von dem was ich alles tat und sagte.⠀

Jetzt ist es zu spät und nicht mehr zu ändern.⠀

Zu spät auch für ehrliche Antworten auf meine Fragen.⠀

Erst recht für die Chance um Verzeihung zu bitten.⠀

Allmächtiger und gütiger Gott, du weißt das alles ohne Ausnahme, denn du kanntest sie und du kennst mich.⠀

Du schautest in ihr Herz und du schaust in meins.⠀

Ich bitte dich: ⠀

Sei mir gnädig und verzeih mir für alles was nicht gut war.⠀

Hilf mir auch in der Zukunft den klaren Blick für die Anderen,⠀

die in meiner Nähe und in der Ferne niemals zu verlieren.⠀

Dann komme ich vielleicht mit mir ins Reine und kann Frieden finden.⠀

Amen⠀ 


Wochengebet 12.11.-19.11.2021 

Volkstrauertag  ---  Buß- und Bettag  ---  Stuttgarter Schuldbekenntnis

Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland gegenüber den Vertretern des Ökumenischen Rates der Kirchen

„Der Rat der Evangel. Kirche in Deutschland begrüßt bei seiner Sitzung am 18./19. Okt. 1945 in Stuttgart Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Wir sind für diesen Besuch um so dankbarer, als wir uns mit unserem Volk nicht nur in einer großen Gemeinschaft der Leiden wissen, sondern auch in einer Solidarität der Schuld. Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. Gegründet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche gehen sie daran, sich von glaubensfremden Einflüssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen zu dem Gott der Gnade und Barmherzigkeit, dass er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkündigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.

Dass wir uns bei diesem neuen Anfang mit den anderen Kirchen der ökumenischen Gemeinschaft herzlich verbunden wissen dürfen, erfüllt uns mit tiefer Freude.

Wir hoffen zu Gott, dass durch den gemeinsamen Dienst der Kirchen, dem Geist der Gewalt und der Vergeltung, der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gesteuert werde und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann.

So bitten wir in einer Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: Veni creator spiritus!“

Stuttgart, den 18./19. Okt. 1945


Wochengebet 05.11.-12.11.2021 

 

Die Sehnsucht nach Erneuerung prägt den Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres. Woran erkennen wir, dass Gottes Reich angebrochen ist? Wann wird endlich Frieden sein? „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen“, heißt es im Wochenspruch. Die Erneuerung beginnt schon jetzt – und steht noch aus. Deshalb habe ich für diese Woche ein Gebet von Harald Rohr ausgesucht.

 

Als Jesus Mensch wurde,
 hast Du der Schöpfung von neuem
 Dein Jawort gegeben: 
 „Friede auf Erden“;
 Friede nicht in ferner Zukunft, 
 nicht in einem unbekannten Himmel 
 oder der verschlossenen Kammer unseres Herzens, 
 sondern mit Händen zu greifen 
 wie das tägliche Brot.
 
 Wir danken Dir für alle Menschen, 
 denen das Evangelium Deines Friedens 
 zum persönlichen Ansporn, zur Inspiration, 
 zur Kraftquelle geworden ist bei ihrem Friedensdienst 
 auf den militärischen, sozialen und ökologischen Kriegsschauplätzen 
 unserer Tage.
 
 Wir danken Dir auch für alle Menschen des Friedens, 
 zu denen Du in anderen Sprachen sprichst,
 als durch die Botschaft und die Traditionen unseres Glaubens.
 
 Keines unserer Gebete 
 kann alle Orte, Schicksale und Taten beim Namen nennen, 
 die heute dem Wort „Krieg“ seine schreckliche Bedeutung geben.
 Aber Du bist der Gott,
 der sich niemals resigniert und überfordert abwendet, 
 wenn Mensch oder Tier aufschreien
 als willkürliche und hilflose Opfer des Krieges.
 
 Gib unserer Zeit Deinen Frieden, 
 höher als unsere Vernunft, 
 so wie wir ihn fassen können: 
 als Mut zum ersten Schritt,
 als Kraft gegen den Strom zu schwimmen, 
 als Weitblick, hinaus über die Enge eigener Interessen, 
 als Mitleid, das zur Tat wird, 
 als Sinn für Gerechtigkeit,
 als die Freiheit, ohne den Schutz von Waffen zu leben, 
 damit Dein Wort des Friedens seine Frucht bringt, 
 hier und heute.
 
 

Harald Rohr war Pfarrer in Herne, Begründer des Dritte Welt Zentrums Herne und ein weltweit bekannter engagierter Mensch für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. 


Wochengebet 31.10.-07.11.2021 

 

„Ausrichten auf Gottes Liebe“ 

 

Liebe Gemeinde, 

es wird November – in jeder Hinsicht ein trauriger Monat. Bis zu seinem Ende werden die Bäume und Sträucher weitestgehend entlaubt sein. Grau sieht es dann draußen aus, farblos. Und in diesen Monat fallen unsere traurigen Gedenktage: die Reichsprogromnacht mit dem Gedenken an die jüdischen Opfer der Hitlerdiktatur, der Volkstrauertag mit dem Gedenken an die Gefallenen der Kriege, der Ewigkeitssonntag mit seinem Gedenken an die Verstorbenen des Kirchenjahres. Hier und da sind in den Städten erste Lichter in der dunklen Jahreszeit zu sehen, farbig oder dann auch schon weihnachtlich. Und, wenn sie denn erlaubt sind, Martinszüge mit den vielen leuchtenden Laternen. 

Der November – ein Monat, in dem wir warten, dass in der traurigen und farblosen Zeit Kerzen und Lichter leuchten, um die Dunkelheit draußen und drinnen zu vertreiben. Ein Warten darauf, dass Advent wird und wir die Liebe Gottes aufleuchten sehen. 

Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes 

und auf das Warten auf Christus. (2. Thessalonicher 3,5) 

Der Monatsspruch für November weist schon hin auf das Licht, das an den letzten Tagen des Monats aufleuchtet: Wir warten auf Christus. 

Die geschehenen Gewalttaten und Gräuel – wir warten auf Christus, der uns Menschen und unsere ganze Welt verwandelt. Das Sterben – wir warten auf Christus, dass wir ihm begegnen werden und er uns und unsere Lieben am Ende der Tage mit offenen Armen empfängt. Wir warten auf Christus – in unserer Traurigkeit hoffen wir auf ihn und seinen Trost. Wir warten auf Christus – und entzünden Kerzen im Advent, zum Zeichen, dass Gottes Licht und seine Liebe uns erreichen wird. 

Aber bis zum Advent und darüberhinaus gilt es, sich daran festzuhalten: Gottes Liebe ist da, in allem Grau und allem Schmerz. Und wenn es mir gelingt, diese Gewissheit im Herzen zu halten, darauf zu vertrauen und darauf zu hoffen, mein Herz wie eine Kompassnadel ausrichte auf Gott und seine Liebe – dann wird auch diese Zeit eine segensreiche werden. Wohin ich meinen Blick richte, ist entscheidend, wie ich die kommenden Tage verbringe: Blicke ich auf das Grau und das Traurige – oder auf Gott und seine Liebe? 


Wochengebet 24.10.-31.10.2021 

Großer Gott.

Deine Kirche ist 2000 Jahre alt.

Die Reformation auch schon wieder über 500 Jahre.

 

Damit ist manches in unseren Kirchen alt geworden.

Viele jüngere Menschen sagen, dass sie die Kirche nicht mehr verstehen.

Nicht in Wort und nicht in Tat und nicht in ihrer Zielsetzung.

Für sie ist die Kirche altmodisch und rückgerichtet.

Für sie ist die Kirche langweilig und nicht bunt.

Darum bitten wir dich: Mach uns frei, dass wir uns von den Fesseln lösen, die uns binden.

 

Viele ältere Menschen sagen, dass sie sich ärgern über die Kirche.

Sie bemängeln, dass sie zu politisch ist, zu allem eine Meinung und eine Mahnung hat.

Sie sagen, die Kirche solle sich lieber um die Menschen kümmern.

Manche kehren daher ihrer Kirche den Rücken, bleiben fern oder treten sogar aus.

Darum bitten wir dich: Gib uns die richtigen Worte, auch die zu erreichen, die sich ungehört fühlen.

 

Viele engagierte Menschen fragen in diesen Tagen, was die Kirche mache für den Frieden, das Klima und die Weltgerechtigkeit. 

Sie müsste vielmehr mahnen, viel mehr machen, viel mehr vorleben und viel lauter werden.

Sie sollte ihre Kraft darin verwenden, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Und sie sollte nicht aufhören für die Entscheider eine unbequeme Partnerin zu sein.

Darum bitten wir dich: Gib uns den Mut und die richtigen Pläne, den Rädern der schlechten Entwicklungen in die Speichen zu greifen.

 

Und du Gott, du stellst uns die Frage.

Wo sind bei Euch die Menschen, die auf mein Wort hören?

Gleichzeitig lädst du sie alle ein, in deinem Haus, der Kirche und der Stadt mitzuarbeiten.

Du möchtest, dass wir miteinander ringen um das richtige Wort, die angemessene Tat und den befreienden Weg in die Zukunft. 

Du möchtest eine Kirche, die sich immer wieder verändert und erneuert als ein Zuhause für Viele.

Du möchtest, dass wir die Kirche immer wieder verändern, denn wer will, dass sie so bleibt, der will, dass sie nicht bleibt. 

Wir bitten dich: Mach vor allem uns neu, dass deine Kirche neu werde.

Amen


Wochengebet 17.10.-23.10.2021 

  

Ein Mann säte Korn. Jeden Tag ging er hinaus, um zu sehen, ob es schon wächst. Aber weil er so lange gar nichts sah, war er sehr betrübt, dass sein Korn nicht recht wachsen wollte. Eines Tages endlich entdeckte er kleine grüne Halme, die Saat war aufgegangen. Fröhlich ging er nach Hause. Aber am nächsten Tag hatte sich gar nichts verändert, die Halme waren immer noch klein, sehr klein. 

 

Da dachte er: „Ich muss meinem Korn helfen, dass es wächst!“ Er versuchte daher, die Halme selbst in die Höhe zu ziehen. Eine anstrengende Arbeit war es. 

 

Nach dieser Arbeit kam er ganz müde nach Hause und sagte zu seinen Leuten: „Ich bin sehr müde, ich habe meinem Korn geholfen zu wachsen.“ 

Am nächsten Tag war er ganz gespannt, ob seine Hilfe etwas genutzt hatte. Aber als er am Feld ankam, sah er die Bescherung: Alle Halme lagen vertrocknet am Boden, in seiner Ungeduld hatte er alle Halme aus dem Boden herausgezogen, und nun waren sie vertrocknet. 

 

Es würde keine Ernte geben, nur weil er so ungeduldig gewesen war. 

                                      (erzählt von Helmut Siegel in „Werkstatt spezial“) 

 

 

Es heißt: „Als Gott die Zeit gemacht hat, da hat er genug davon gemacht.“ 

Auch genug Wartezeit. Gut, dass Gott uns auch dazu genug Zeit schenkt. 

Denn es heißt auch: „Gott hat uns nicht die Eile geschenkt, sondern die Zeit.“ 

Das ist ein gutes Geschenk von Gott:  Die Zeit und die Geduld. 

Geben wir diesem Geschenk Gottes die Wertschätzung, die es braucht und verdient, Gott zur Ehre und uns und unserem Mitmenschen zum Wohle. 

 

 

Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, 

doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand: 

der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf 

und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf. 

 

Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, 

drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn! 

(EG 508,1) 

 


Wochengebet 10.10.-16.10.2021 

 Herr, mein Gott, danke für einen weiteren Tag und für eine neue Woche, die beginnt.
 Möge sie gesegnet sein in ihren Herausforderungen und Aufgabenstellungen.
 Danke, dass du mir die Gnade schenkst, gesund und lebendig in den Tag zu gehen.
 Ich möchte diese Woche in Deine Hände geben.
 Segne meine Begegnungen mit anderen Menschen. 
 Ich bitte dich, lass mich deine Gegenwart erfahren, denn du bist das Leben. 
 Du geschiehst in jedem Augenblick meines Erlebens.
 Du geschiehst in jedem Kontakt den ich eingehe.
 Umhülle mich Vater und stärke mich.

Mein Vater, ich bitte dich, das Leben meiner Familie und meiner Freunde zu schützen.
 Ich bitte  dich, das Leben der Menschen unserer Stadt zu bewahren und zu behüten.
 Lass deine Gegenwart in diese Welt hinein wirken, die so sehr der Erlösung bedarf.
 Lass mich aufmerksam werden, und tätig, wenn ich meinen Teil zu einem neuen Himmel und einer neuen Erde beitragen kann.

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